Terra Mater WILD

„Ich war während des Sommers 1860 erstaunt zu finden, was für eine grosze Anzahl Insecten von den Blättern des gewöhnlichen Sonnenthaus (Drosera rotundifolia) auf einer Haide in Sussex gefangen wurden. Ich hatte wohl gehört, dasz Insecten so gefangen würden, wuszte aber nichts weiteres über diesen Gegenstand.“ So beginnt Charles Darwins berühmte Abhandlung über „Insectenfressende Pflanzen“ und sie ist der Ausgangspunkt für eine Faszination, die den genialen Naturforscher sein Leben lang nicht mehr loslassen sollte.
Auch die Verführungskünste der Orchideen fesselten Darwin. Auf die Idee, diese Blumen genauer zu untersuchen, kam er während eines Spaziergangs, als er wilde Orchideen beobachtete. Dass sie zu den “eigentümlichsten Formen im Pflanzenreich” gehörten, war ihm schon bekannt. Denn edle Orchideen waren zu seiner Zeit ein Symbol für Wohlstand. Darwin experimentierte mit den Pflanzen, um seine Theorien wissenschaftlich zu belegen. 1862 veröffentlichte er ein Werk mit dem spröden Titel “Die verschiedenen Einrichtungen, durch welche Orchideen von Insekten befruchtet werden”. Darwin wies nicht nur nach, dass die kunstvoll geformten Blüten der Orchideen auf Fremdbestäubung ausgerichtet sind, sondern auch, dass sich viele Blütenformen an bestimmte Insekten anpassen. Eine Art hält ihre Gäste regelrecht gefangen und lässt sie erst wieder frei, wenn sie reichlich Pollen gesammelt haben. Rätselhaft war auch für Darwin die auf Madagaskar beheimatete Orchidee Angraecum sesquipedale , die einen bis zu 35 Zentimeter langen Sporn entwickelt, an dessen Ende der Nektar angeboten wird. Darwins Schluss, es müsse eine Schmetterlingsart geben, die über einen ebenso stark verlängerten Saugrüssel verfüge, wurde erst 21 Jahre nach seinem Tod bestätigt. Auf jeden Fall haben die Studien an den Orchideen Darwins Theorie von der Entstehung der Arten weitere Nahrung gegeben. Jede Art hat sich in ihrer Umgebung eine Nische erobert und eigene, exklusive Strategien für die Fortpflanzung entwickelt.